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Nennt sie nicht Depression oder Angststörung: Die Apathie ist in der Lage, uns aller äußeren Anreize und Interessen zu berauben

30 Oktober 2020 • Von Aya
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Wenn ihr seit einer Weile fühlt, dass euch die Lust fehlt, aus dem Haus zu gehen, dass alle häuslichen Freizeitaktivitäten wie beispielsweise ein zu Buch lesen, einen zu Film gucken, nicht mehr so verlockend sind wie einst, wenn ihr generell widerstreitende Empfindungen habt, über die jene vorherrscht, die man scheinbar als „Lustlosigkeit“ bezeichnen könnte, seid beruhigt: Ihr macht gerade wahrscheinlich eine Zeit eures Lebens durch, in der euch etwas genommen wurde, in der die Hauswände sich für euch als ein erstickendes Gefängnis entpuppt haben …

Es ist in der Tat kein Zufall, dass die körperliche Isolierung, das Ausbleiben von längerem physischem Kontakt, das Gefühl, ein Leben zu leben, das Mönchen in Klausur ähnlicher ist, eng mit der allgemeinen Empfindung der Lustlosigkeit ohne externe Anreize verbunden sind: Sie nennt sich Trägheit, auch besser bekannt als Apathie.

Der Begriff „Trägheit“ stammt von den griechischen Wörtern a-, welches ein negatives Präfix der Entbehrung ist, und kedos, was „Pflege, Sorge, Schmerz und Leid“ bedeutet. Eine psychologische Situation ohne medizinische Behandlung also, zumindest in der Antike, als das lateinische Wort acedia in einem aus dem Griechischen übersetzten Text aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. auftauchte, dank dem Mönch Giovanni Cassiano, der diese innere Empfindung so beschreibt: eine solche physische Lustlosigkeit und ein so großer Hunger, als wäre man von einer langen Reise und langem Fasten zermürbt … Dann schaut man sich um und seufzt darüber, dass niemand kommt, um einen zu besuchen. Ständig geht man in seiner Zelle ein und aus und sieht die Sonne an, als würde sie zu langsam untergehen.“

Ein Gefühl, das im Jahr 2020, dem der globalen von Covid-19 verursachten Pandemie, die die gesamte Welt zu langen Monaten des Lockdowns und häuslicher Quarantäne bewegte, eher universell als persönlich war. Für lange, von Angst und Unsicherheit erfüllte Zeit zu Hause eingeschlossen zu bleiben, ohne seine Lieben sehen zu können, vielleicht mit einem von der Arbeit zu Hause oder der vorübergehenden Abwesenheit von Arbeit verdrehten sozialen und täglichen Leben, hat euch sicherlich dazu gebracht, ein starkes Gefühl der Apathie zu empfinden.

Ihr habt keine Lust gehabt, jenen Film oder jene Serie zu gucken, die ihr seit Langem nachholen wolltet, ihr habt keines der Bücher gelesen, die ihr zu lange unbeendet gelassen habt, ihr habt es nicht geschafft, eure Konzentration auf das, was wirklich wichtig ist, hoch zu halten. Ihr wolltet viele Dinge tun, aber letztendlich seid ihr praktisch von der Unsicherheit, von der Angst blockiert geblieben, zermalmt von den eigenen vier Wänden, die euch einem Gefängnis ähnlicher erschienen.

Aber nennt es um keinen Preis Depression oder Angststörung: Es hat mit etwas Anderem und, glaubt uns, Geläufigerem, als man denkt, zu tun.

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