Er rettete 669 jüdische Kinder mit Zugreisen vor der Nazideportation: Die Überlebenden dankten ihm noch Jahrzehnte später - KlickDasVideo.de
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Er rettete 669 jüdische Kinder mit Zugreisen vor der Nazideportation: Die Überlebenden dankten ihm noch Jahrzehnte später

11 Juli 2021 • Von Aya
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Die Jahre zwischen 1933 und 1945, jene, in denen sich der Zweite Weltkrieg und die Tragödie des Holocausts ereigneten, gehören zu den dunkelsten der zeitgenössischen Geschichte. In den Geschichtsbüchern können wir in allen Einzelheiten über die Dynamiken aller damaligen Ereignisse lesen, inklusive Schlachten, aber wir wissen sehr viel weniger über die Geschichte der einzelnen Protagonisten, der auf ihre kleine Weise Geschichte geschrieben und Hunderte Menschenleben gerettet haben. Einer von ihnen hieß Nicholas Winton, ein Mann, dem es mit seinem Mut gelang, 669 jüdische Kinder in der von Nazis besetzten Tschechoslowakei zu retten, indem er sie nach England, sein Heimatland, fliehen ließ. Nicholas Winton sprach nicht einmal mit seiner Frau Grete über das, was er in jenen Jahren getan hatte, sodass sie erst 1988, fast zufällig, von der Geschichte dieser Rettung erfuhr, als sie dabei war, auf dem Dachboden in alten Koffern zu stöbern: Für Nicholas war es normal, daran war nichts Heldenhaftes – er hätte gerne noch viele mehr gerettet!

Nicholas Winton wurde 1909 in Hampstead, London, geboren, seine Eltern waren deutsche Juden, die nur zwei Jahre vor seiner Geburt nach England immigriert waren. In den Jahren unmittelbar vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gelang es Nicholas, zwischen Paris und Prag in Europa herumzureisen, wo er im Dezember 1938 von einem Freund dazu eingeladen wurde, mit dem britischen Gremium zusammenzuarbeiten, um den Flüchtlingen in der Tschechoslowakei zu helfen. Bei dieser Gelegenheit planten Nicholas und andere Freiwillige die Flucht Hunderter Kinder, wobei sie sie vor dem sicheren Tod retteten. Wir müssen daran denken, dass all das möglich war, weil das englische Parlament nach der Reichsprogromnacht am 01. November 1938 ein Gesetz über die Aufnahme von Flüchtlingen unter 17 Jahren verabschiedet hatte. Dem zum Trotz war es nicht leicht, die Züge der Kinder in England ankommen zu lassen: Holland hatte seine Grenzen gerade nach dem 01. November 1938 geschlossen und hinderte die kleinen Flüchtlinge so daran, nach London zu gelangen. Nicholas schaffte es jedoch dank der Passierscheine der englischen Regierung, zwei Züge abfahren zu lassen, und rettete damit 669 Kinder. Der dritte Zug hätte am 01. September 1939 aufbrechen sollen, aber bis dahin war es zu spät: Hitler invadierte Polen, und mit der Explosion des globalen Konflikts wurden alle Grenzen geschlossen.

Nicholas sprach nie von diesen Kindern, die dank ihm gerettet wurden und die Möglichkeit hatten, ein neues Leben in England zu beginnen, aber 1988 stieß seine Frau Grete auf einige Fotos und Dokumente, die noch im Staub auf dem Dachboden versteckt waren. Sie fand heraus, dass ihr Mann im Zweiten Weltkrieg Leben gerettet hatte, und beschloss, seine Geschichte der Welt bekannt zu machen. So schrieb sie ohne das Wissen ihres Mannes an BBC, und wenig später wurde Nicholas dazu eingeladen, Teil des Publikums einer Fernsehsendung zu sein. Er wusste nicht, dass das Scheinwerferlicht in dieser Episode auf ihn und die beiden Herren gerichtet sein würde, die neben ihm saßen: zwei der Kinder, die er selbst dank jener Hoffnungszüge gerettet hatte. Die größte Überraschung wurde ihm jedoch einen Monat später bereitet, wieder durch die gleiche Fernsehsendung von BBC. Bei diesem zweiten Anlass fragte der Moderator der Talkshow offen: „Wer sonst in diesem Saal schuldet sein Leben Mr. Winton? Stehen Sie bitte auf.“ Alle neben Nicholas Sitzenden erhoben sich und offenbarten, dass sie zu den von Nicholas geretteten Kindern gehörten. Es ist überflüssig zu sagen, dass es sich um einen extrem bewegenden Moment handelte.

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Der Moment, in dem Nicholas herausfand, dass er neben einem der überlebenden „Kinder“ saß

Nicholas behielt dieses Geheimnis 40 Jahre lang für sich, ein wenig, weil er glaubte, nur seine Pflicht getan zu haben, und ein wenig, weil er Gewissensbisse darüber hatte, nicht genug getan zu haben: Er hatte noch mehr retten wollen. Nicholas erhielt für seine humanen Bemühungen viele Titel und verdiente Würdigungen: Königin Elizabeth ernannte ihn 2003 zum Baronet. 2010 wurde er von der britischen Regierung als „britischer Holocaustheld“ anerkannt. 2008 schlug ihn die tschechische Regierung als Kandidat für den Friedensnobelpreis vor, den jedoch Obama gewann. 2009 wurde zu seinem 100. Geburtstag eine besondere Zugfahrt von Prag nach London organisiert, an der viele der geretteten Kinder teilnahmen, inzwischen mit eigenen Kindern und Enkelkindern. 2014 beschloss die tschechische Regierung schließlich, ihn mit dem Orden des Weißen Löwen auszuzeichnen, der höchsten staatlichen Ehrung.

Nicholas, sagte stets, dass er kein Held sei, weil er „nie wirklich in Gefahr war“, aber es bleibt Fakt, dass viele dieser Überlebenden ihm Jahrzehnte später immer noch dankten: Ohne ihn hätten sie nie das Erwachsenenleben gekannt.

image: Wikimedia

Nicholas starb am 01. Juli 2015 im Alter von 106 Jahren, aber man wird sich für immer an ihn und seinen Einsatz erinnern.

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